7. Schmidwöhr
Der zentrale Platz in Kallmünz ist das Schmidwöhr. Hier wurden und werden die Feste gefeiert. Wann immer ein großes Jahresfest ansteht, am Schmidwöhr wird das Bierzelt aufgebaut und aufgespielt.
Vom Schmidwöhr aus hat man einen schönen Blick auf den Ort mit der Kirche und das Alte Rathaus, ebenso auf das Naabwehr und die Naabmühle. Viele Bilder sind hier entstanden.
Hermann Buschmann, Kallmünz 1945, Öl auf Malerpappe, ca 60 x 80 cm
In dem früheren Haus Irma, das erste Haus auf der linken Seite lebte der Nürnberger Maler Hermann Buschmann. Er ist den älteren Kallmünzern noch in Erinnerung. Er hat sich 1944 in Kallmünz niedergelassen nachdem seine Wohnung in Nürnberg ausgebombt worden war. Kallmünz war in der Zeit des Dritten Reiches als Ort für Maler (gerade auch bei fränkischen Malern) bekannt. Er war mit Malerfreunden ( z.B. Fritz Bayerlein oder Hermann Gradl) schon in den 1930er Jahren hier und kannte Kallmünz. Zeitzeugen berichten, dass er unter sehr ärmlichen Umständen gelebt hat. 1961 ist er im Kallmünzer Altersheim verstorben. Einem Kallmünzer Jungen, der Künstler werden wollte, wurde er als Beispiel dafür vorgehalten, wie das Künstlerdasein enden könne. Der wurde dann doch lieber Verwaltungsbeamter.

August Herzog, "Callmünz" 1923, Öl auf Leinwand 40 x 50 cm
August Herzog lässt das alte Rathaus und die Steinerne Brücke im Sonnenlicht erstrahlen. Die eiserne Brückenkonstruktion korrigiert er und führt die steinernen Bögen fort bis zum Alten Rathaus.
Von dem Schweizer August Herzog sind mehrere Bilder von Kallmünz bekannt, die zwischen 1921 und 1928 entstanden sind. Als Mitglied der Neuen Münchner Künstlervereinigung kannte er Constantin Gerhardinger, der ihn wie viele andere Künstler auf Kallmünz aufmerksam gemacht hat. Gerhardinger nannte ihn freundschaftlich "Gustl".
Auch Josef Koch (1866 - 1966) gefällt die Eisenkonstruktion nicht und er ersetzt sie ebenfalls mit den historischen Brückenbögen.

Josef Koch, Kallmünz, Kallmünz, 65 x 84 cm; Öl auf Leinwand
Josef Koch (1886 - 1966) war öfter in Kallmünz. Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre wählte Kallmünz als Malort für seine naturnahen Ölgemälde. Er ist einer der wenigen Maler, der auch in den Nachbarort Burglengenfeld gegangen ist und dort Bilder gemalt hat.
Einige Bilder von Kallmünz von Josef Koch wurden vom Haus der Kunst in München in den 1930er Jahren als Ansichtskarten verlegt. Auch das hat zu Verbreitung des Rufes von Kallmünz als Malerort beigetragen.
Paul Götz-Räcknitz, Kallmünz, ca. 1947, Öl auf Malerpappe, 50 x 60 cm
Das hier gezeigte Bild ist von Paul Götz-Räcknitz (1873 - 1952) ist erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Der Blick des Malers schaut vom Schmidwöhr naabaufwärts, die Brücke ist schon neu, die Raiffeisenbank steht noch nicht. Wann der Maler und Illustrator in Kallmünz war, konnten wir bisher nicht feststellen. Es kann sein, dass er schon Anfang des 20. Jahrhunderts hier war. Er hat über Kallmünz sicher bei den Malerkollegen gehört, die im Glaspalast in München ausgestellt haben, wo er ab 1912 vertreten war.Thematischer Schwerpunkt der Arbeiten von Paul Götz Räcknitz sind Porträts und Landschaften.

Hans Wohlrab, Kallmünz 1960, Öl auf Leinwand, ca. 65 x 80 cm
Der Amberger Hans Wohlrab (1905 - 1978) war in den 1960er Jahren hier und hat etwas expressiver die Situation gemalt.
"Wer in früheren Jahrzehnten etwas auf sich hielt, hängte sich einen echten Wohlrab ins Wohnzimmer, die Praxis oder Kanzlei. Hans Wohlrab war überaus populär, hatte lange den Status inne, den dann später ein Raumberger bekommen sollte. Er war einfach "der" Maler seiner Generation schuf Stadtansichten, Landschaften und Porträts (er bildete sogar den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss ab)." schreibt Andreas Ascherl im Onetz.
Der Dresdner Walther Scholz (1861 - 1910) geht näher an die Steinerne Brücke und das Dien Haus heran.
Walther Scholz, Steinerne Brücke mit Dienhaus, 1904, Öl auf Leinwand
Josef Rolf Knobloch, Blick auf das Planl, ca. 1935, Öl auf Leinwand, 50 x 60 cm
Hier sehen wir eine stimmungsvolle Ansicht der Naabbrücke mit Dien- und Augustinhaus vom Schmidwöhr aus von dem Maler Josef Rolf Knobloch (1891 - 1964)
Knobloch stellte in München im Glaspalast aus und hatte dort sicher Kontakt zu vielen Malern, die in Kallmünz waren. Mit wem er hier war, wie oft und wann konnten wir bisher nicht eruieren. Hauptmotive seiner Arbeiten sind Landschaften hauptsächlich Oberbayern und die Alpen.
Knobloch besuchte die Kunstschule in Liebwerda und die techn. Hochschule in München, wo er sich niederließ. Seit 1915 nahm er regelmäßig an den Ausstellungen im Glaspalast teil.
Lange Zeit war Knobloch Vorsitzender des Künserverbandes "die Juryfreien".
Bilder von Knobloch tauchen häufig in Auktionshäusern auf, so auch die hier gezeigte Ansicht von Kallmünz.
Günther Schmitz, Naabrücke,1987, Aquarell, ca. 50 x 70 cm

Charles Palmié, Naabwehr, 1901, Öl auf Sperrholzplatte, 70 x 90 cm

Schmidt-Rottluff, Mühle an der Naab, Aquarell, 1936, ca. 50,5 x 70,5 cm, © VG Bildkunst Bonn
Das Bild "Mühle an der Naab" von Schmidt-Rottluff zeigt eine von kräftigen Konturen gefasste Häusergruppe am Flussufer. Die warmen Braun- und Ockertöne der Gebäude spiegeln sich im ruhigen Wasser, während im Vordergrund hell aufschäumende Stromschnellen die Szene beleben. Kühles Blau und gedeckte Grüntöne prägen die Umgebung. Die kontrastreiche Farbigkeit und die markanten Linien verleihen dem Motiv eine rhythmische, fast grafische Wirkung.
Conrad Pfau, An der Naab, Öl auf Leinwand, 71,5 x 85,5 cm

Emil Albert Hugo Kreyssig, An der Vils, Öl auf Leinwand, ca 1920, 50 x 70 cm
Emil Albert Hugo Kreyssig hat eine eher seltene Ansicht für sein Bild gewählt. Im Vordergrund fließt die Vils, im Hintergrund erheben sich fast dramatisch die Felsformationen des Strobelberg. Emil Albert Hugo Kreyssig, geboren 1873 in Coburg, studierte er an der Akademie der bildenden Künste in Dresden und wurde für seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet. 1898 ließ er sich in München nieder, von wo aus er zahlreiche Studienreisen durch Europa unternahm. Sein Hauptwerk umfasst Städte- und Landschaftsansichten aus Bayern, insbesondere Motive aus den Hochmoorlandschaften und Wäldern zwischen Starnberger See und Bad Tölz, aber auch Kallmünz. Kreyssig bevorzugte Stimmungen des Herbstes, der Abenddämmerung und des Gewitters, wodurch seine Werke eine besondere Spannung zwischen realistischer Malerein und impressionistischem Farbspiel gewinnen. Er war Mitglied des Vereins Münchner Aquarellisten um Rudolf Köselitz sowie der Münchner Künstlergenossenschaft und stellte seine Werke regelmäßig auf bedeutenden Kunstausstellungen in Deutschland aus, unter anderem im Münchner Glaspalast. Sicher trag er dort auch andere Maler, die Kallmünz bereits Kannten.
Die Schreibweise Naab mit Doppel aa hat sich erst nach dem 2. Weltkrieg endgültig durchgesetzt. Karl Schmidt-Rottluff hat eines seiner Bilder, das er im September 1936 hier gemalt hat mit
„Mühle an der Nab“ bezeichnet. Da war die Mühle aber schon neu gebaut und größer. Das Bild des bedeutenden Expressionisten befindet sich im Brücke Museum in Berlin, ein anderes Kallmünz-Gemälde von ihm schlummert im Depot des Museums Ludwig in Köln, eine drittes in Chemnitz.
Nun gehen wir zurück zur Vilsgasse zum
8.
Kainbogen

