22. Friedhofsplatz / Friedhof
Vielleicht kommen Sie ja mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Kallmünz und steigen hier aus dem Bus. Ein Gedenkstein erinnert an die erste urkundliche Erwähnung von Kallmünz im Jahre 983. Anlässlich der 1000-Jahr-Feier wurde er aufgestellt. Besiedelt war der Ort wohl schon durchgehend seit ca. 1200 v. Chr.
Mit Hans Laßleben werfen wir einen Blick zurück auf die Lange Gasse.

Hans Laßleben, Lange Gasse, Aquarell, ca. 30 x 20 cm
Josef Georg Miller, Kallmünzer Gasse, Tempera, 52 x 74 cm .
Foto Gabriele Münter, Friedhof Kallmünz, 1903 © VG Bildkunst Bonn
Gabriele Münter hatte sich in den Friedhof begeben und dort diese Aufnahme gemacht. Die Frauen tragen traditionell lange Röcke und sind Kopftüchern bekleidet. Man fühlt sich nicht nur in eine andere Zeit versetzt sondern auch in eine andere Region der Welt und doch ist man in Kallmünz, die Burgruine im Hintergrund bestätigt es.
Der Künstler Manfred Sillner besuchte die Ausstellung des Bergvereins "Kallmünz mit den Augen der Maler". Angesprochen darauf, warum er Kallmünz noch nicht gezeichnet habe, antwortete er: "Ja warum eigentlch nicht". Circa ein halbes Jahr später erhielten wir dieses Schreiben:
Ich habe zu Kallmünz keine biographischen Beziehungen. Weder gibt es Kallmünzer Verwandte noch habe ich jemals in der Gemeinde gelebt. Vielmehr kam ich nach Kallmünz auf touristischen Wegen, von Regensburg her, wo meine Mutter und meine Frau geboren wurden. Für einen Augenmenschen ist es nicht schwer, die Schönheiten von Kallmünz und
seine landschaftliche Umgebung aufzunehmen und den Ort als „Augenweide“
zu erleben.
Dass sich in Kallmünz neben Postkarten-Schönem auch überraschende und (mir bisher) unbekannte Seherlebnisse verbergen, erkannte ich bei einem Besuch des Kallmünzer Friedhofs, wo ich an der Außenwand der Aussegnungskapelle ein stark beschädigtes und merkwürdig zerklüftetes Epitaph entdeckte, das einer wohl sehr edlen Frau gewidmet war.
Die Identität dieser Dame konnte ich bisher nicht erfahren. Das macht aber nichts, weil mein Sehvergnügen von solchem Wissen nicht abhängig ist. Für mich ist es eine unbekannte, geheimnisvolle Kallmünzerin, deren Abbild von einem äußerst fähigen Bildhauer vor vielleicht 500 Jahren gemeißelt wurde. Es war für mich ein Genuß, den bizarren Formen des eigenartigen Steins nachzuforschen und diese in den Himmel über der Ortsansicht erscheinen zu lassen.

Manfred Sillner, Die Dame von Kalllmünz", 2016, Bleistiftzeichnung, ca 70 x 50 cm
Leider ist bisher keine Abhilfe geschaffen worden und die "edle Dame" verwittert weiter.
Mit Alois Hänisch werfen wir von dem Krachenhausener Weg noch einen Blick auf den Ort.

Alois Hänisch, Kallmünz 8/02, Kohlezeichnung, 51 x 73 cm,

Charles Palmié, Kallmünz, 1902, Öl auf Leinwand, 47 x 62 cm
Mit Palmié gehen wir weiter Richtung Strobelberg und Schiffsanlegestelle und werfen einen Blick zurück auf den Ort, der frühlingshaft ergrünt ist.
zum Strobelberg
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23. Schiffsanlegestelle
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