Blick vom Süden / Strobelberg

Bergverein Kallmünz, Postkarte 1920
Die Postkarte von ca. 1920 zeigt den Markt Kallmünz mit seiner charakteristischen Verbindung von Landschaft, Geschichte und bäuerlichem Alltag. Im Vordergrund weidet eine Bäuerin - sie ist noch bekannt als Zengerbck Anna - ihre Gänse auf dem Weg zum Stroblberg. Das Getreide ist bereits geerntet und steht in Kornmandln zum Trocknen auf dem Feld. Im Hintergrund erhebt sich die Burgruine über den Ort Kallmünz mit markantem Schloss und Kirche. Das einfache Landleben im Tal und die historische Burg auf dem Felsen ergeben ein poetisches Bild des ländlichen Bayern im frühen 20. Jahrhundert, das hat die Maler angezogen.


Josef Georg Miller, Kornmandl vor Kallmünz, Tempera, 52 x 74 cm

Johann Baptist Laßleben schreibt 1904: „Man mag kommen, von welcher Seite man will, immer ist es der Schlossberg, ein mächtiger hundert Meter hoher Kalksteinblock, der mit seiner altersgrauen Ruine zuerst den Blick des Wanderers gefangen nimmt. Infolge der eigentümlichen Lage des Ortes genießt man aber nur von einem Punkte, und zwar dem Strobelberg aus, eine Totalansicht desselben. Diese Anhöhe befindet sich unmittelbar am Südende des äußeren Marktes… der schöne Umblick lohnt die geringe Mühe des Aufstiegs reichlich“

413 Meter über den Meeresspiegel erhebt sich dieser Aussichtspunkt auf dem Stroblberg im Süden des Ortes. Über das Hintere Gricht kommt man hinauf und genießt die Aussicht auf Kallmünz mit den Malern.

Hedwig Reisinger, Kallmünz, Öl auf Leinwand, 58 x 79 cm

Diese stimmungsvolle Landschaftsdarstellung mit Blick vom Stroblberg auf Kallmünz stammt von der Malerin Hedwig Reisinger (1904–1998). Im Vordergrund liegen Felsen und Wiesen, in warmen Farbtönen, pastos und lebendig modelliert. Dahinter öffnet sich der Blick auf die markante Burganlage von Kallmünz, eingebettet in weich abgestufte Hügel. Der wolkige Himmel sowie die kraftvolle, impressionistisch geprägte Pinselführung verleihen dem Werk Tiefe und Atmosphäre – typisch für Hedwig Reisingers ausdrucksstarke Landschaftsmalerei.
Hedwig Reisinger wurde in Fichtelberg (Erzgebirge) geboren. Nach dem Besuch der Nürnberger Malschule absolvierte sie Kurse an der Akademie der Bildenden Künste in München, wo sie ab 1935 Studentin des Regensburger Malers Ludwig von Andok wurde, den sie später heiratete. Ihre Werke zeigen meist oberpfälzische Landschaften, historische Bauwerke und naturnahe Szenen, die sie in einer warmen, impressionistisch geprägten Farb- und Formensprache festhielt.


Rupert Preißl, Kallmünz, Öl auf Hartfaserplatte, 60 x 80 cm

Heinrich Schilbach, Kallmünz, Öl auf Leinwand, 100 x 120 cm

Wenn sich die Maler vom Naabtal aus dem Süden Kallmünz nähern, haben Sie wunderschöne, lichtdurchflutete Ansichten von Kallmünz.

Hans Licht, Kallmünz, Öl auf Malerplatte, ca. 1910


Franz Ermer, Kallmünz, 1919, Aquarell, 20 x 28 cm
Josef Koch, Kallmünz ca. 1935, Öl auf Leinwand, 63 x 88 cm


Willi Ulfig, Kallmünz, 1954, Aquarell, 31 x 47 cm

Das expressive Aquarell zeigt eine dynamisch aufgefasste Landschaft von Kallmünz. Ulfig interpretiert die Szenerie in weit geschwungenen, rhythmischen Pinselzügen und einer atmosphärisch dichten Farbigkeit. Grün- und Blautöne dominieren den Vorder- und Mittelgrund, während Violett- und Braunnuancen die Felsformationen und den dramatisch bewegten Himmel gestalten.

Die Komposition verbindet reale topografische Anklänge – Häusergruppen, Hügel, Wasserflächen – mit einer freien, fast visionären Formensprache. Die Reflexionen im Wasser und die ineinanderfließenden Farbschichten erzeugen eine lebhafte, pulsierende Landschaft, die sowohl ortsbezogen als auch stark subjektiv empfunden wirkt. Das Werk steht exemplarisch für Ulfigs expressiven Umgang mit Naturmotiven, wie er ihn nach 1945 in Regensburg entwickelte.
Willi Ulfig, Kallmünz, !969, Aquarell, 62 x 75 cm

Willi  Ulfig wurde 1910 in Breslau geboren und studierte von 1928 bis 1932 an der Breslauer Kunstgewerbeschule und Kunstakademie. Ein Stipendium führte ihn 1933 nach Italien. Die NS-Zeit verhinderte zunächst seine künstlerische Laufbahn; Ulfig arbeitete als Schriftenmaler und Bühnenbildner. Im Zweiten Weltkrieg war er in Frankreich stationiert und später in Böhmen in Kriegsgefangenschaft.

Nach seiner Entlassung 1945 begann er in Regensburg seine eigentliche künstlerische Entwicklung. 1946 wurde er Mitglied der Donauwaldgruppe, ab den 1950er Jahren stellte sich wachsender Erfolg ein. Studienreisen erweiterten sein Werk um europäische Landschaften. Ulfig gilt als einer der bedeutendsten ostbayerischen Künstler der Nachkriegszeit. Er starb 1983 in Regensburg.


Wir sind fast am Ende unseres Rundgangs und gehen über die Brücke der Umgehungsstraße zurück an unseren Ausgangspunkt.


 

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