Zurück über die neue Naabbrücke und ein Liebeslied zum Schluss
Auf dem Rückweg gehen wir über die Umgehungsbrücke, die ca. 1970 fertig gestellt wurde. Wir werfen einen Blick auf die Skulpturen der Steinbildhauerin Gisela Walch auf der Brücke. An deren Ende ist ein kleiner Platz mit einer großen Schäferskulpur. Der Entwurf stammt von dem Münchner Kunstprofessor Ernst Andreas Rauch (1901 - 1990). Ausgeführt wurde sie aus Jurakalkstein. In München ist der Künstler vor allem wegen des Karl-Valentin-Brunnens am Viktualienmarkt bekannt. In der Zeit des Nationalsozialismus war er Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Für diese Zeit ist seine Teilnahme an 15 großen Gruppenausstellungen belegt, darunter von 1937 bis 1944 auf fünf Großen Deutschen Kunstausstellungen in München. 1944 wurde er auf die Gottbegnadeten-Liste gesetzt und auf diese Weise von der Teilnahme am Zweiten Weltkrieg ausgenommen. Der Bildhauer Rauch verlor im Zuge der Entnazifizierung seine Professur an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg und war fortan wieder freiberuflich tätig. Dabei war er kein Nazi, sondern ein echter Mitläufer. (Süddeutsche Zeitung, 21.10.2016) 1962 erhielt er den Förderpreis für Bildende Kunst der Landeshauptstadt München.

Die Skulptur zeigt eine stehende männliche Figur mit ausgeprägt ruhiger, würdevoller Haltung. Der Hirte hält In der rechten Hand einen Stab, auf dem linken Arm trägt er ein Lamm. Zu seinen Füßen schmiegen sich drei Lämmer an ihn. Dieses Motiv verweist auf Schutz, Verantwortung und eine enge Verbundenheit zwischen Mensch und Tier und passt damit thematisch gut hierher. Das Straßenbauamt wählte ein Hirtenmotiv, weil an dieser Stelle früher die Hirten ihre Schafe durch eine Furt über die Naab geführt haben sollen.
Weitere Informationen über Skulturen in Kallmünz finden Sie auf dem Skulpturenweg Kallmünz.
Wir gehen weiter und werfen nochmal einen Blick auf den Ort von der Vilsseite.

Wassily Kandinsky, Kallmünz, Öl auf Malerpappe, 33 x 24 cm
Das kleine Gemälde von Kandinsky zeigt eine Ansicht von Kallmünz mit der markanten Burganlage von der Vilsseite. Der Schlossberg dominiert deutlich das Bild. Am Hang darunter liegen das mächtige Raitenbucher Schloss und eine Kirche mit Zwiebelturm. Im Vordergrund fließt die Vils.
Die Malweise ist expressiv und pastos, die Farben wirken kräftig und leuchtend. Kandinsky reduziert Details zugunsten einer lebendigen, beinahe mosaikartigen Struktur aus Farbflecken, die der Szene Bewegung und eine emotionale Intensität verleihen.

Georg Mayer Franken, an der Vils, ca. 1910, Öl auf Leinwand, 70 x 50 cm
Georg Mayer-Franken (1870 - 1926) hat seine Ansicht von Kallmünz eher in hellen Tönen gehalten. Sie zeigt im Vordergrund die Vils mit einem Angler, der nur halb im Bild ist. Auf dem Steg an der Vils läßt eine Mutter ihr Kind im Wasser plantschen. Eine junge blonde Frau, die vom Ufer aus zusieht, spiegelt sich im Wasser der Vils. Unter den Bäumen sitzen Menschen auf einer Bank ins Gespräch vertieft. Die ländliche Idylle wird überragt von dem Felsmassiv des Schlossberges. Darüber thront perspektivisch überhöht die Burgruine.

Ludwig von Senger, Blick auf Kallmünz, Öl auf Papier, 20 x 13 cm
Einen letzten Blick auf die Vils und die Häuser an ihrem Ufer werfen wir mit diesem Bild von Constantin Gerhardinger, bevor wir wieder bei der Palmié-Pappel angelangt sind.

Constantin Gerhardinger, An der Vils, Öl auf Malerpappe, 70 x 50 cm
Die Vils fließt ruhig, grünlich schimmernd dahin. Die Wasseroberfläche spiegelt leicht die Umgebung, und der Maler hat die Bewegung des Wassers mit zarten, lockeren Pinselstrichen eingefangen.
Am gegenüberliegenden Ufer stehen alte Häuser mit steilen Dächern in warmen Braun-, Rot- und Ockertönen. Einige Dächer sind ziegelrot, andere dunkler, verwittert. Davor erkennt man Zäune, Sträucher und Gärten, die in sattem Grün gehalten sind. Die Felsen und Hügel im Hintergrund deuten auf die typische Landschaft rund um Kallmünz hin, wo sich die Häuser oft an steile Felswände schmiegen. Das Bild vermittelt ganz unaufgeregt das Gefühl von ländlicher Beschaulichkeit. Die Stimmung ist ruhig und friedlich, typisch für die Freilichtmalerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Wegen des Charmes des Ortes und/oder weil alte Häuser günstig zu kaufen waren, haben sich seit Ende der 1980er Jahre wieder Künstler in Kallmünz angesiedelt, die damit die Tradition des Ortes (gewollt oder nicht) fortsetzen.
Kallmünz inspiriert zur Kunst, sicher auch die Geschichte der Maler sein, die hier lebendig ist. Die Objektkünstlerin Herta Wimmer-Knorr, Steinbildhauerin Gisela Walch, Holzbildhauer Stefan Link und Objektkünstler Wigg Bäuml öffnen regelmäßig ihre Ateliers für Ausstellungen. Auch der mit internationalen Preisen ausgezeichnete Fotograf Stephan Fürnrohr hat sich hier niedergelassen und bereichert mit seiner Galerie und Ausstellungen den Ort.
Dass die Künstler in Erinnerung bleiben, dafür sorgt der Bergverein Kallmünz e.V. mit den Ausstellungen wie „Kallmünz mit den Augen der Maler“. Für die zeitgenössische Kunst engagiert sich das Kultureck mit regelmäßigen Ausstellungen und „Kunstschaunächten“. Für eine lebendige Kunstszene sorgt auch die Künstlergruppe Mosaik unter Leitung des Künstlers Charly Söllner. Hobbymaler und professionelle Künstler haben sich zusammengefunden und beteiligen sich rege am Kulturleben in Kallmünz.
Wie kann der Ort diese Geschichte, dieses Erbe von mehr als 300 Malern, dieses Alleinstellungsmerkmal nutzen?
„Der Fremdenverkehr, der heutzutage von so vielen Orten unter Aufbietung aller Kräfte erstrebt wird, ist unserem Markt als reife Frucht von selbst in den Schoß gefallen. Wenn die Bevölkerung die Situation erfasst, sich dem frischen Zuge anpasst und ihn tunlichst fördert, dann geht der Ort einer Blütezeit entgegen. Das Hauptverdienst hieran würde aber nur den Künstlern gebühren.“ Johann Baptist Lassleben, 1903 in der Zeitschrift „Bayerland“. Nun denn!
Wir danken für Ihr großes Interesse und verabschieden uns mit einem Liebeslied an Kallmünz von Eugen Oker:
liebeslied
du bist kallmünz und ich bin nur schmidmühlen
fließt es auch vils an mir vorbei
ich lebe heiß, du lebst im kühlen
ich bin august, du bist so mai
du schaust so regensburg zu mir herunter
ich mach mich amberg klein vor dir
ich bin so mulz, du bist so munter
du lachst so wein, ich schau so bier
zwar bin ich oben, doch es fließt zu naab
mag ich mich noch so pielenhofen fühlen
ich bleibe ensdorf bis zum grab
du bist halt doch kallmünz und ich – schmidmühlen
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