6. Gasthof zur Post
Foto Bergverein Kallmünz e.V., Gasthof zur Post, ca. 1920
Leider ist der Gasthof zur Post seit fast 30 Jahren ohne Nutzung und verfällt zusehends. Seine letzte Nutzung mit Schwimmbad und Sauna im Keller und Spiegeln über Betten an den Decken war den Kallmünzern nicht besonders willkommen.
Um die Jahrhundertwende war das Gasthaus Station für Reisende - hier wurden die Pferde der Postkutschen gewechselt. Der Torbogen in der Bildmitte war die Durchfahrt für die Stallungen hinter dem Haus. Nicht alle Künstler fanden Platz in der Roten Amsel. Viele übernachteten auch im Gasthof zur Post. Auch dieses Gasthaus konnte mit dem Luxus eines Badehauses in der Vils aufwarten.
Ein besonders gern gesehener Gast war Professor Constantin Gerhardinger, der ab 1920 (fast) jedes Jahr in Kallmünz malte. Wenn er sich anmeldete, verbreitete sich das schnell im Ort: „Der Professor kommt wieder!“
Er hatte seinen Stammplatz an dem Tisch im Erker des Gebäudes. Eine der fünf Töchter des Wirtes soll es ihm besonders angetan haben. Das Gästebuch dieses Hauses wurde nach Angaben des früheren Besitzers verbrannt. So ist nicht mehr festzustellen, wann genau und wie oft Constantin Gerhardinger hier war und wen er hatte treffen können.
In seiner Werkausgabe sind aber Kallmünz-Bilder fast in jedem Jahr verzeichnet.
Auf jeden Fall haben sich hier die Schafkopffreunde getroffen. (Foto ca. 1960)
Das authentische Landleben hatte die Künstler begeistert. Manchmal waren sie mittendrin, manchmal nur Zaungäste wie hier. Auf dem Foto links Nunnhofer Josef , daneben Weigert Michael (ehemaliger Bürgermeister), der Herr an der Stirnseite ist unbekannt, Graf Josef spielt aus (Schelln sticht!), rechts daneben Sperl Michael, ganz rechts mit Zigarre Herr Kopf.
Foto Bergverein Kallmünz e.V.,Beim Schafkopf im Gasthof zur Post, ca 1960
Hugo Krayn, Durchfahrt Gasthof zur Post, 1910, ca. 25 x 30 cm, Öl auf Leinwand
Der Berliner Maler Hugo Krayn (1885 - 1919) war lange vor Constantin Gerhardinger da.
Diese Ansicht von ihm ist eine absolute Seltenheit. Er hat in Kallmünz nicht die große Landschaft gemalt, das Brunntor, die schmucken Häuser oder die Naabbrücke, wie seine Malerkollegen. Ihn interessiert die düstere Durchfahrt von der Vilsgasse durch den Gasthof zur Post, das Bayerl Anwesen.
Heute ist diese Durchfahrt vergessen und zugeschüttet.
Man sieht noch den Bogen am Haus und kann sich vorstellen, auch wenn man gegenüber auf die Kellereingänge schaut, wie sich das Niveau der Vilsgasse gehoben hat.
1910 ist dieses kleine Ölgemälde datiert. Der frühere Altbürgermeister Sigi Bauer hat es für die Gemeinde gekauft.
Was Hugo Krayn nach Kallmünz geführt hat ist nicht bekannt.
Über seinen Aufenthalt in Davos, wo er eine ernsthafte Krankheit ausheilte, wird gesagt: "Es ist bezeichnend, dass er in Davos nicht die Landschaft als solche, die ragenden Berge und ansteigenden Matten, sondern die engen Gassen des Dorfes darstellt..." Das ist auch auf seinen Aufenthalt in Kallmünz zu übertragen. Hier findet er die dunkle Durchfahrt durch das Bayerlanwesen als Motiv.
1919 wurde Hugo Krayn ein Band der "junge Kunst" gewidmet in einer Reihe mit Max Pechstein, Paula Becker-Modersohn und anderen, kein geringerer als Lovis Corinth hat das Vorwort dazu verfasst. Er starb an der spanischen Grippe 1919.
Wir drehen uns noch um und sehen das kleine Häuschen mit der bunten Fassade.

Foto Bergverein Kallmünz e.V., Geistreiter Haus, 1925
In diesem Haus gegenüber hat von 1975 bis kurz vor seinem Tod 1996 der Künstler Hans Geistreiter gelebt. Die bunte Bemalung stammt noch von ihm.
Bekanntgeworden ist Geistreiter als erster Maler der Region, der abstrakte Bilder ausgestellt hat und damit Ende der 1950er Jahre provoziert hat. Als er lange nach anderen bedeutenden Regensburger Malern 1989 den Kulturpreis der Stadt Regensburg erhielt soll er das kommentiert haben mit: "Zeit is worn".
Wir gehen jetzt nach dem ehemaligen Kaufhaus Götz rechts hinunter zum
7. Schmidwöhr


