1919 - 1945: artige und entartete Künstler


Fritz Bayerlein, Kallmünz, 1935, Öl auf Leinwand, 105 x 125 cm

Der Zustrom von Malschulen endete nach dem Ersten Weltkrieg erst einmal. Jetzt durften Frauen auch an den Kunsthochschulen studieren. Sie waren ihre Hauptzielgruppe gewesen. Das Malen in der freien Natur passte auch nicht zu den angesagten Malstilen der Avantgarde wie Expressionismus, Kubismus, Dadaismus und Surrealismus. Tatsächlich sind in dem Gästebuch zwischen 1920 und 1930 nur sechs Maler verzeichnet.
Ein Artikel in der illustrierten Beilage der Bayerischen Volkszeitung vom 22. Mai 1926 berichtet über den großen Erfolg des Schauspiels "Bürgertreue", das der Bergverein zum 40. Jahrestag aufführte. Die Zeitung kommentiert: "Kallmünz, schon einmal von dem bekannten Münchener Landschaftler, Kgl. Prof. Ch .J. Palmié, als Malerort entdeckt, ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Wenn sich die einheimischen Gasthöfe noch etwas mehr der Neuzeit anpassen, hat Kallmünz alle Aussicht, zum gern besuchten Ausflugs- und Sommeraufenthalt zu werden."

Aber die Zeiten ändern sich und die Malstile ebenso. Überregionale Aufmerksamkeit erreichte Kallmünz durch die internationalen Kunstausstellungen im Glaspalast in München. Seit 1904 waren Bilder von Kallmünz dort zu sehen. Von 1937 bis 1944 war Kallmünz in den Ausstellungen im Haus der Kunst vertreten. Einige der Bilder wurden auch als Ansichtskarten verlegt und tauchen auf eBay immer wieder auf.

Insbesondere die Maler, die dem Stil der Münchner Schule verbunden blieben, zog es weiter aufs Land. In der Zeit nach 1918 ist besonders Constantin Gerhardinger hervorzuheben. Er war in den 1930er Jahren einer der erfolgreichsten deutschen Maler. 1937 erhielt er eine Goldmedaille auf der Weltausstellung in Paris. Bei der Eröffnung der Großen Deutschen Kunstausstellung 1937 im Haus der Kunst kaufte Reichsminister Dr. Goebbels sein Hauptwerk‚“Brotsegen“ für 15.000 Mark. Hitler kaufte zwei kleinere Arbeiten von ihm.

Die stimmungsvolle Landschaft um Kallmünz, die oft noch romantisch überzeichnet ist, passt gut zur Kunstauffassung der Nationalsozialisten. Fritz Bayerlein darf beispielhaft genannt werden. Sowohl seine politische Haltung als auch seine Bilder entsprachen den Vorgaben der Kunst des Dritten Reiches. Der Bamberger Professor für Kunstgeschichte Wolfgang Brassat in einem Interview, in dem es um die Bilder von Bayerlein im Sitzungssaal des Neuen Rathauses in Bamberg ging: "In der Diskussion um Bayerlein wurde immer wieder behauptet, dass es sich bei seinen Werken doch lediglich um neutrale Landschaftsbilder handele. Als seine Gemälde 1937 im Ratssaal aufgehängt wurden, gab es aber längst eine Gleichschaltung der Künste. Bayerleins Werke der 30er und 40er Jahre waren mustergültige Beispiele der sogenannten „artgerechten“ Kunst, auch wenn keine Hakenkreuze auf ihnen zu sehen sind ... Er war ein überzeugter Nazi, seit 1931 Parteimitglied, erhielt zum 50. Geburtstag des Führers den Professorentitel und ist im „Dritten Reich“ ein reicher Mann geworden. Er hat sich völlig mit dem NS-System identifiziert und ist immer wieder als sein Repräsentant aufgetreten. Insofern war er nicht nur ein Profiteur desselben und ein „Mitläufer“.

Auch Hermann Gradl hat in dieser Zeit in Kallmünz gemalt. Er war einer der vier Maler, die in der "Gottbegnadeten-Liste" (Führerliste) aufgeführt war. Den Tag, als Hitler ihn in seinem Atelier besuchte, behielt er als schönsten Tag in seinem Leben in Erinnerung.

Erstaunlich aber ist, dass gleichzeitig auch von den Nationalsozialisten verfemte Künstler den Weg nach Kallmünz fanden. Der expressionistische Maler Magnus Zeller war 1935 mit seinem Schüler und Freund Heinz Hindorf hier. Die Tochter von Zeller vermerkt in seiner Biographie drei weitere Aufenthalte. 
Die Künstler schätzen den Ort, die Landschaft, aber sie wollen auch eine angenehme Unterbringung, gutes Essen und am Leben auf dem Lande teilhaben. „Ihre Schilderung des Wirtshauslebens beim Wittmann (das ist die rote Amsel) erregt heftig meinen Wunsch nach Kallmünz zu eilen“, schreibt Heinz Hindorf an seinen Lehrer. 1936 reiste der wohl bekannteste expressionistische Maler Karl Schmidt-Rottluff im September von Berlin aus zwei Wochen in den Süden „um Ruhe zu finden“. Auch er findet sich im „Fremdenbuch“ der „Roten Amsel“. Die geplante Werkausgabe weist neun Ansichten von Kallmünz und Umgebung aus. Er war wahrscheinlich durch seinen Kollegen Magnus Zeller auf Kallmünz aufmerksam geworden. 

In der Roten Amsel und im Gasthof zur Post trafen die Künstler aufeinander, man wäre gerne dabei gewesen, um den Gesprächen zu folgen.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges endete vorerst wieder die Anwesenheit von Malern in Kallmünz.
Auf unserem Malerweg durch Kallmünz sehen wir Bilder von:

Richard Blume (1891 - 1943) Berlin
Franz Robert Curry (1872 - 1955) München
Franz Ermer (1886 - 1976) Regensburg
Erich Frankenberg (1890 - ?) Berlin
Constantin Gerhardinger (1888 - 1970) Törwang/Chiemsee
Paul Götz-Räcknitz (1873 - 1952) Dresden/München
Hermann Gradl (1883 - 1965) Nürnberg
August Herzog (1885 - 1959) Ermatingen/Schweiz
Heinz Hindorf (1909 - 1990) Berlin
Josef Rolf Knobloch (1891 - 1964) München
Josef Koch (1866 - 1966) München
Hans Laßleben (1908 - 1941) Kallmünz
Anton Lutz (1894 - 1992) Linz, Österreich
Erich Martin Müller (1888 - 1972)
Rudolf Pfannenstiel (1888 - 1979) Obersdorf
Conrad Pfau (1885 - 1954) München
Karl Röger (1879 - 1958) Nürnberg
Karl Schlageter (1894 - 1990) Zürich
Albert Stagura (1866 - 1947) Dresden/Dießen a. Ammersee
Karl Schmidt-Rottluff (1884 - 1976) Berlin
Karl Walther (1905 - 1981) Seeshaupt
Louis Wöhner (1888 - 1958) München
Magnus Zeller (1888 - 1972) Berlin/Caputh
u.a.

1901 - 1919: Wie alles anfing
1919 - 1945: Artige und entartete Kunst
1945 - heute: Weitermachen und Neuanfang

Wir beginnen unseren Rundgang hier in der Gessendorfer Straße bei der
1. Palmié Pappel

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