19. Naabmühle / Malerwinkel

Hans I. Ranzoni, Naabmühle, Öl auf Leinwand, 78 x 99 cm
Wir gehen an der ehemaligen Gaststätte „Weißes Rössl“ vorbei und schauen mit Hans I. Ranzoni auf den Malerwinkel, die Ecke vor der Naabmühle. Dieses Bild des Wieners Hans I. Ranzoni des Älteren zeigt, was die Maler interessiert: das ruhige Landleben abseits der großen Städte. In der Bildmitte erkennt man die Naabmühle mit angrenzenden Gebäuden am Flussufer. Gestapelte Holzbretter und Boote liegen am Wasser, das die Gebäude und Bäume ruhig spiegelt. Die Komposition wirkt ruhig, harmonisch und zeigt Ranzonis Gespür für Licht und Atmosphäre. Dass Kallmünz seit langem in der Kunst weltweit unterwegs ist, zeigt auch dieses Bild von Hans Ignaz Ranzoni. Es wurde auf einer Auktion in Mexiko angeboten.
Hans I. Ranzoni der Ältere wurde 1877 in Wien geboren und war ein österreichischer Maler und Grafiker. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er sich besonders der Landschafts- und Porträtmalerei sowie der Radierung zuwendete. Ranzoni entwickelte einen fein ausgearbeiteten, stimmungsvollen Stil, der von impressionistischen Einflüssen geprägt ist.
Er war Mitglied mehrerer Wiener Künstlervereinigungen und stellte regelmäßig im In- und Ausland aus. Ranzoni zählt zu den bedeutenden österreichischen Grafikern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er starb 1956 in Wien.
Josef Rolf Knobloch, Naabmühle, ca. 1930 Öl auf Leinwand, 50 x 60 cm
Hier am Malerwinkel haben die Maler seit 1901 gesessen und den wunderbaren Ausblick auf das Wehr (auch "die Schlacht" genannt), auf die Burgruine, Kirche und altes Rathaus genossen und gemalt. Mit den Spiegelungen in der Naab ergeben sich in vielen Variationen wunderbare, stimmungsvolle Bilder zu allen Jahreszeiten.

Charles Palmié, Blick über die Naab, 1901, Öl auf Leinwand 50 x 70 cm
Charles Palmiés Darstellung zeigt die ruhig fließende Naab, deren Oberfläche wie ein dunkler Spiegel die gegenüberliegende Häuserzeile spiegelt. Die Komposition ist horizontal ausgerichtet und lebt vom starken Kontrast zwischen der massiven, blockhaft wirkenden Architektur am Ufer und den weichen, fast abstrahierten Wasserstrukturen im Vordergrund. Die Spiegelung verschmilzt Gebäude und Wasser zu einer geschlossenen, atmosphärischen Bildfläche, in der Formen und Farbfelder ineinander übergehen. Die klassische Bildkomposition folgt dem Goldenen Schnitt in ungewöhnlicher Aufteilung. Der Blick wird durch den Fluss diagonal in die Tiefe geführt, wodurch eine zurückhaltende, melancholische Stimmung entsteht.

Ludwig von Senger, Pfeiffererhaus, ca. 1905,Öl auf Leinwand, 58 x 82 cm
Conrad Pfau, Kallmünz, Öl auf Leinwand, 40 x 50 cm

Conrad Pfau, Kallmünz, Öl auf Leinwand, 40 x 50 cm
Conrad Pfau Conrad Pfau (1885 - 1954) war Schüler von Karl von Marr und dürfte durch ihn auf Kallmünz aufmerksam geworden sein. Karl von Marr war im Februar 1901 mit Charles Palmié in Kallmünz. Pfau war wohl mehrere Male in Kallmünz. Hier sehen wir den Blick auf den Ort vom Malerwinkel aus im Frühling und im Herbst.

Schmidt-Rottluff, St. Michael Kallmünz, Aquarell, ca. 70 x 50 cm, © VG Bildkunst Bonn
Das Aquarell von Schmdit-Rottluff zeigt eine expressive, farbintensive Ansicht der Flusslandschaft mit der Kirche St. Michael von Kallmünz. Kräftige schwarze Konturlinien fassen die Formen von Gebäuden, Felsen und Vegetation ein. Die Kirche mit ihrem dunklen Zwiebelturm steht markant am rechten Bildrand, vor steil aufragenden Felsen in vibrierenden Blau-, Grün- und Gelbtönen. Der Fluss im Vordergrund spiegelt die Gebäude und Felsen in lebendig verzerrten, rhythmischen Farbflächen. Die Darstellung wirkt dynamisch, spontane Pinselzüge und vereinfachte Formen prägen den expressionistischen Charakter.

Fritz Bayerlein, Kallmünz, 1935, Öl auf Leinwand, 105 x 125 cm
Im Gegensatz zu Schmidt-Rottluffs expressiver Interpretation zeigt Bayerlein die gleiche Szenerie in ruhiger, naturalistischer Klarheit. Sein Gemälde ist von weichen Lichtstimmungen, präziser Modellierung und atmosphärischer Tiefe geprägt. Die Landschaft öffnet sich weit, die Architektur ist sorgfältig ausgearbeitet, und die Spiegelung im Wasser wirkt glatt, ruhig und realistisch. Während Bayerlein die Idylle und Harmonie des Ortes betont, verdichtet Schmidt-Rottluff die Szenerie zu einer farbstarken, emotionalen Bildwelt. Beide Werke zeigen denselben Ort zur gleichen Zeit, interpretieren ihn jedoch völlig unterschiedlich – einmal als stimmungsvolle Naturansicht, einmal als energetisch aufgeladene expressionistische Vision.
Die Motive von Fritz Bayerlein und seine stimmungsvollen, leicht romantisch überhöhten Landschaftsbilder, entsprachen während der Zeit des Nationalsozialismus dem offiziellen Kunstgeschmack, der naturgetreue, heimatverbundene Darstellungen bevorzugte. Auf dem Bild hier interessant: Das Raitenbucher Schloss fehlt, die Häuser ducken sich am Fels. Die gewählte Perspektive verkleinert den Weizenberg im Bildhintergrund links und erhöht damit den Schlossberg mit der Burgruine. Auch die Kirche wirkt dadurch mächtiger, der Turm ist schlanker und höher als in Wirklichkeit. Ein "überhöhtes" Stück Heimat!
Lange wurden die Hinweise auf eine aktive Beteiligung des Künstlers an der NS-Kunstpolitik von Bayerlein ignoriert. Bayerlein war laut wissenschaftlichen Untersuchungen vor allem Universität Bamberg ein „Nazi der ersten Stunde“. Er war von der NS-Ideologie überzeugt und bekannte sich noch 1955 in seinen Lebenserinnerungen offen zum Nationalsozialismus und zu antisemitischen Ansichten.
Wann Bayer genau in Kallmünz war ist nicht bekannt. Sicher ist dass er in den 1930er Jahren hier war. Die von ihm bekannten Gemälde von Kallmünz stammen aus dieser Zeit. Das Haus der Kunst hat von ihm Ansichtskarten von Kallmünz und Umgebung verlegt. Auf Ebay werden sie immer noch angeboten. In seinen Erinnerungen schreibt er: "Als weitere Studienplätze wählte ich einmal das schöne Altmühltal bei Riedenburg, Schloss Prunn etc. und die Gegend um Kallmünz, eine herrliche Fundgrube für Maler. Romantische Felsengebilde, burgruinen und still fließende Wasser." (zitiert nach Dr. Walter Bayerlein Großneffe März 2018)
Fritz Bayerlein könnte hier 1936 mit den "verfemten" Maler Schmidt-Rottluff, der mit Malverbot belegt war, zusammengetroffen sein.

Ludwig Herterich, Kallmünz, Öl auf Malerplatte, 46 x 56 cm
Den Schloßberg stilisiert Ludwig Herterich (1856 - 1932) zu einer Gebirgslandschaft auf der perspektivisch verändert die Burgruine thront. Kirch- und Rathausturm sind verlängert und haben die Form von oberbayerischen Zwiebeltürmen. Aber eindeutig handelt es sich hier um Kallmünz. Sogar der Vorbau beim Schuderer ist erkennbar.
Ludwig von Herterich ist in Ansbach geboren, er zählt zu den bedeutenden Vertretern der Münchner Schule. Aus einer Künstlerfamilie stammend, erhielt er seine erste Ausbildung bei seinem Bruder sowie bei Wilhelm von Diez und studierte ab 1873 an der Münchner Akademie. Neben seiner Tätigkeit als Porträt- und Monumentalmaler wirkte Herterich prägend als Lehrer: zunächst an der Münchner Damenakademie, später als Professor in Stuttgart und ab 1898 an der Akademie der Bildenden Künste München. Als Mitglied der Münchener Secession und des Deutschen Künstlerbundes war er in den wichtigsten Kunstströmungen seiner Zeit aktiv und nahm an zahlreichen Ausstellungen teil. Über den Aufenthalt des Malers in Kallmünz haben wir keine weiteren Informationen. Wir treffen aber einige seiner Studenten der Akademie auf unserem Rundgang.
Georg Hublitz, Kallmünz, Öl auf Leinwand
Am 5. April 1931 trug sich Georg Hublitz ins Fremdenbuch der Roten Amsel ein, er blieb wohl nur eine Nacht. Dennoch hat er eine Ansicht vom frühlingshaften Kallmünz hinterlassen.

Alois Knauer, Kallmünz , ca, 1910, Öl auf Leinwand, 70 x 100 cm
In Kallmünz ist Alois Knauer (1889 - 1966) vor allem durch seine Ortsgeschichte bekannt.
Josef Rolf Knobloch, Kallmünz, ca. 1930

Louis Wöhner, Kallmünz, Öl auf Leinwand, 65 x 85 cm
Erich Martin Müller, Kallmünz, Öl auf Leinwand, 73 x 101 cm

Heinz Hindorf, Ruderer auf der Naab, 1935, Aqarell, 41 x 42 cm
Das Aquarell von Heinz Hindorf zeigt Kallmünz in leichtem, transparentem Farbauftrag: die dicht gedrängten Häuser mit ihren warmen Dächern liegen am Fuß des mächtigen Felsmassivs. Im Vordergrund rudert eine einzelne Figur in einem Boot über die ruhig spiegelnde Wasserfläche. Die harmonische Komposition verbindet Landschaft, Architektur und menschliche Tätigkeit zu einer stillen, atmosphärischen Szenerie. Die kräftigen Konturen ordnen die Komposition und akzentuieren die Formen und verleihen dem Bild somit seine besondere Klarheit.
1935 hielt sich Heinz Hindorf (1909 - 1990) gemeinsam mit Magnus Zeller in Kallmünz auf – ein prägendes Erlebnis, das mehrere seiner frühen Werke beeinflusste. Von 1935 bis 1937 führten ihn Studienaufenthalte nach Italien, zeitweise zusammen mit Zeller in Rom. 1938 wurde er Meisterschüler bei Prof. Werner Peiner in Kronenberg.
Während des Zweiten Weltkriegs war Hindorf als Kriegsmaler eingesetzt und verbrachte 1942–1944 Zeit in Russland sowie 1944–1945 in Italien, wo er bis 1946 in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet. Nach 1945 arbeitete er als freischaffender Maler, zog 1954 nach Michelstadt und wandte sich ab 1955 intensiv der Glasmalerei zu. In Zusammenarbeit mit der Werkstatt Robert Münch schuf er über 150 Kirchenfenster, darunter bedeutende Arbeiten für die Dome von Worms und Braunschweig. 1979 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.
H. Schilbach, Kallmünz im Winter, 1945, Öl auf Leinwand
Das Gemälde von Heinrich Schilbach zeigt eine winterliche Ansicht von Kallmünz, überragt vom schneebedeckten Burghügel. Im Zentrum bewegt sich eine Pferdeschlittenfahrt durch den kalten, klaren Tag: zwei kräftige Pferde ziehen den offenen Schlitten, in dem ein Paar sitzt, während ein Junge am Wegesrand neugierig zuschaut. Im Hintergrund sind Kirche und Dächer des Ortes in feinen, gedeckten Tönen wiedergegeben.
Schilbach verbindet detailreiche Beobachtung mit einer warmen, leicht nostalgischen Stimmung. Die zarten Farbübergänge im Schnee und die weichen Konturen des winterlichen Felsens verleihen der Szene Ruhe und Weite. Das Bild fängt den Charakter des historischen Ortes ebenso ein wie das alltägliche Leben in einer vergangenen Zeit.
Árpád Rácz, Winteranfang in Kallmünz, 2015, Acryl auf Leinwand, 120 x 150 cm
Árpád Rácz ist am 13. November 1954 in Năsăud (Rumänien) geboren und lebt seit 1993 in Deutschland. Von 2005 bis 2023 hat er in Kallmünz als Maler und Bildhauer gearbeitet. Natürlich ist Kallmünz auch eines seiner beliebten Motive.
Die Spiegelungen im ruhigen Wasser der Naab, das Licht, die Farben ließen die Künstler immer wieder an diesen Platz an der Naabmühle kommen.
Wir gehen weiter an der Naabmühle vorbei in die
20. alte Regensburger Straße
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