1. Palmié und seine Pappeln
Bevor wir uns der Pappel zuwenden schauen wir auf die Vils und die Vilsbrücke.
Genau hier ist dieses Bild von Wassily Kandinsky entstanden.
Wassily Kandinsky - Gabriele Münter beim Malen an der Vils, 1903, Öl auf Malerpappe 24 x 33 cm
Im Vordergrund steht Gabriele Münter in einem langen blauen Kleid. Sie malt vor einer Staffelei unter einem weißen Sonnenschirm. Der Hintergrund zeigt die Holzbrücke über die Vils, sowie die Vilsmühle und Häuser mit roten und dunklen Dächern. Die kräftigen, pastosen Pinselstriche und leuchtenden Farben vermitteln eine sommerliche Stimmung. Die Malweise ist locker und expressiv, typisch für Wassily Kandinsky in dieser Zeit.
Das Bild hängt im Lenbachhaus in München. Später erzählen wir mehr zu Kandinsky und Münter in Kallmünz.
Alois Hänisch, Kallmünz 8/02, Kohlezeichnung, 49,5 x 75,5 cm
Der Wiener Alois Hänisch (1866 - 1937) war der Sohn eines Kaffeesieders. Nach einem Privatzeichenunterricht bei Ernst Juch studierte er seit 1881 an der Kunstgewerbeschule Wien bei Ludwig Minnigerode und an der Akademie der bildenden Künste Wien später an der Akademie der Bildenden Künste München.
Von seinem Aufenthalt in Kallmünz 1902 sind drei Zeichnungen bekannt. Die Vilsbrücke bestand bis zum Hochwasser 1909 aus Holz.
Hinter uns ragt die 33 Meter hohe Palmié-Pappel in den Himmel.
Foto: Bergverein Kallmünz, Palmié-Pappel, 2025
Es ist der größte Baum, den wir hier in Kallmünz haben. Der Umfang beträgt 7,2 Meter und er ist auf jeden Fall älter als 120 Jahre.
Wie kommt dieser Baum hierher und warum hat er den Namen Palmié-Pappel? Der Bergverein hat die Info-Tafel angebracht.
Kunstprofessoren und freie Malschulen zogen auch in Deutschland seit Ende des 19. Jahrhunderts aufs Land und in die Landschaft, um den neuen Mal-Moden nachzueifern. Gesucht wurden Orte und Plätze an denen starke Eindrücke möglich waren. Der Impressionismus war zum vorherrschenden Malstil geworden. Die Erfindung von Farben in Tuben, die nicht schnell fest wurden, erlaubte es im Freien zu malen.
Auf der Suche nach neuen Motiven (In Oberbayern hatten die Künstler schon jeden See und jeden Berg gemalt.) stieß Charles Palmié, der Professor der Damenakademie in Münchenauf Kallmünz.
Von dem Ort war Palmié so begeistert, dass er in kurzer Zeit mehr als 60 Ölgemäldeanfertigte, die er - wie vorher schon gesagt in München ausstellte, Im Frühjahr 1903 ließ er 150 kanadische Pappeln nach Kallmünz schicken. Die Gärtnerei Velden aus Speyer kündigte am 17. April 1903 die Lieferung an. Es ist davon auszugehen, dass Palmié dabei war, als der Bergverein die Pflanzung übernommen hat. Der rührige Verein hatte sich 1885 gegründet und seit ca. 1890 eine Baumschule im Burginnenhof betrieben. Vier der jetzt mächtigen Bäume haben die Zeit überstanden. Drei an dem Weg nach Krachenhausen, eine hier in der Gessendorfer Straße beim ehemaligen Raiffeisen Lagerhaus.
Der Bergverein hatte sich neben der Erhaltung der Burgruine auch Fremdenwerbung zur Aufgabe gestellt. Seit 1889 ließ er zu diesem Zweck auch Postkarten drucken. Viele Fotografien von Charles Palmié wurden vom Bergverein seit 1901 auch als Postkarten verlegt. Palmié war es auch, der Michael Laßleben zum ersten Kallmünz-Büchlein angeregt hat. Er sollte die Geschichten doch aufschreiben, die er im Wirtshaus erzählt. Palmié lieferte die Fotos dazu.
Es soll dann aber zum Streit zwischen Kallmünzer Bürgern und Palmié gekommen sein. Er war in seinen Vorstellungen und seinem Tempo der Veränderungen einigen Bürgern wohl zu forsch. Nach 1903 ist kein Besuch mehr bekannt. Palmié war es übrigens auch, auf den der schöne Beiname "Perle des Naabtals" für Kallmünz zurückgeht.
Wir gehen ein paar Schritte zurück in die
2.
Dinauer Straße

