Blick von Osten / Naabtal
Kallmünz konnte man Anfang des 20. Jahrhunderts über den Bahnhof Burglengenfeld erreichen. Den restlichen Weg musste man zu Fuß gehen (so wie Erna und Josef Georg Miller noch 1944). Sie beschreibt den mühsamen Weg: „Auf halbem Weg (von Burglengenfeld) kam uns dann die Burgruine von Kallmünz über dem Naabtal entgegen, und alle Mühe war in Freude verwandelt. Es war ein herrlicher Frühlingstag, der 4.4.44. Wir waren wieder froh, unsere Schritte wurden länger und unser Freuen immer größer. Häuser duckten sich geborgen an den Felsen, wie eine Henne ihre Kücklein zusammenhält. Die Kirche thronte etwas erhöht vor dem Felsen…“Eine Zugstrecke von Burglengenfeld durch das Naabtal ins Vilstal wurde Anfang des Jahrhunderts von den Bauern verhindert, die um die Gesundheit ihrer Tiere durch den Rußausstoß der Lokomotiven fürchteten.

Franz Ermer, Kallmünz, 1939, Pastellkreide, 70 x 90 cm
Das große Pastellbild mit einer stimmungsvollen Ansicht von Kallmünz 1939 befindet sich im Besitz der Marktgemeinde.
Das Gemälde zeigt eine weite, atmosphärisch ruhige Ansicht von Kallmünz. Im Vordergrund breitet sich die Flusslandschaft aus, deren spiegelnde Wasserfläche sanft die Farben des Himmels aufnimmt. Eine Bogenbrücke führt zum historischen Ortskern, dessen Kirche und dicht gedrängte Häuser mit ihren roten Dächern klar hervortreten. Rechts erhebt sich der markante Burgberg mit den Felsen und der Burgruine. Im Hintergrund öffnet sich eine helle, weitläufige Hügellandschaft. Die sanfte, fast pastellartige Farbigkeit und der gleichmäßige Lichteinfall verleihen der Szene einen harmonischen, friedvollen Charakter. Das Werk fängt die typische Silhouette und Landschaftsstimmung von Kallmünz ein und wirkt zugleich topografisch klar und malerisch poetisch.
Professor Franz Ermer (1886 - 1976) war schon in den 20er und 30 Jahren viel in Kallmünz, auch nach dem 2. Weltkrieg kam er immer wieder hierher. Er hatte die Schwester des ortsansässigen Arztes kennengelernt und geheiratet.

Josef Koch, Kallmünz, Öl auf Leinwand, ca. 1935
Hermann Gradl, Kallmünz, ca. 1938, Öl auf Leinwand, 32 x 38 cm
In einem autobiographischen Hinweis von H. Gradl lesen wir: "Am 25. April 1949 fahre ich nach Kallmünz und bleibe bis 16.V. dort, weil in dieser Zeit meine Wohnung endlich wieder hergerichtet wird. Die Unterkunft in der "Post" in Kallmünz ist sehr primitiv - oberpfälzisch - aber die Landschaft an der Naab dafür umso reicher. Ich habe trotz regnerischen Wetters reiche Beute nach Hause gebracht. .."
Hermann Gradl war einer der bedeutendsten Landschaftsmaler in Deutschland bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Schon 1920 erschien der Bildband „Hermann Gradl, ein neuer deutscher Malerromantiker“. Mit seinen romantischen Landschaftsbildern traf Gradl den Geschmack und die Anschauungen der nationalsozialistischen Kunstpolitik, ohne dass er seinen Malstil ändern musste.
"Ein ganz wesentliches Charakteristikum seiner romantisierenden Landschaftsbilder ist die Abwesenheit aller zeitgenössischer Infrastruktur- und Technikelemente. So fehlen so gut wie auf allen seinen Bildern Eisenbahnlinien, Telefonmasten, Autostraßen, Stromleitungen, Fabriken usw. Er malte im 20. Jahrhundert Bilder aus dem 19. Jahrhundert, die eine ungestörte intakte Landschaft wiedergeben und dem Bedürfnis nach einer unproblematischen und harmonischen Welt entgegenkommen sollten." Zitat Wikipedia
Hermann Gradl erschien als einer von vier Malern in der Sonderliste der zwölf wichtigsten bildenden Künstler der 1944 entstandenen sogenannten Gottbegnadeten-Liste (Führerliste). 1937 besuchte ihn Adolf Hitler in seinem Atelier: "Wer solche Bilder malt, der muss ein anständiger Kerl sein".
Den Besuch Hitlers in seinm Atelier kommentierte Hermann Gradl an den Oberbürgermeister von Nürnberg:
„… Ich hatte das unverdiente Glück, die höchste Auszeichnung, die sich ein deutscher Mann denken und erhoffen kann, zu erleben: Vom Führer empfangen zu werden, einige Stunden neben dem Führer verleben zu dürfen. Dieses herrlichste u. unvergessliche Erlebnis, diesen Höhepunkt meines Lebens, verdanke ich Ihrem Wohlwollen, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister. Meinen Dank hierfür glaube ich auch in Ihrem Sinne am besten dadurch zum Ausdruck zu bringen, indem ich mit aller Kraft mein ganzes Können dazu verwende, das von unserem Führer geschaffene, wundervolle dritte Reich u. insbesondere unsere fränkische Heimat im Bilde zu verherrlichen, um es dem deutschen Volke noch näher zu bringen. Heil dem Führer!“
Wir gehen weiter über den Eselsweg zur Burg
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13.
Naabpromenade
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