11. Brunngasse

Foto Bergverein Kallmünz, Albert Stagura an der Klostermauer 12.7.27

Als Maler der Münchner Schule ist auch Albert Stagura (1866- 1947) auf den Kallmünz aufmerksam geworden. Von ihm sind einige Ansichten von dem malerischen Ort bei Auktionen aufgetaucht. Albert Stagura war wohl mehrmals hier. Er wählt ungewöhnliche Motive für seine Malerei. Die Mauer am Kirchhof hinauf hat sonst wohl kein Maler in einem Bild verewigt.



Albert Stagura, An der Klostermauer, Pastellkreide, 1927, 57 x 65 cm

Dieses stimmungsvolle Pastell zeigt einen stillen Winkel von Kallmünz: eine verwitterte Klostermauer, schmale Steinwege und dahinter die geduckten Dächer der Häuser Warmes Licht fällt auf die unregelmäßigen Putzflächen und erzeugt ein harmonisches Spiel aus Schatten und Farbtönen. Eine einzelne, dunkel gekleidete Nonne belebt die Szenerie dezent und unterstreicht die ruhige, fast meditative Atmosphäre des historischen Ortsbildes.


Hans Wohlrab, Am Bergsteig, Öl auf Malerplatte, 49 x 65 cm
Hans Wohlrab ist ein paar Stufen weiter gegangen und malt das Alte Rathaus vom Bergsteig aus.

Foto: Bergverein Kallmünz e.V.Ochsenfuhrwerk, ca. 1910

Was hat die Künstlerinnen und Künstler angezogen, dass sie scharenweise nach Kallmünz kamen? Die Maler kommen aus den Großstädten, München, Berlin, Dresden u.v.a., wo um 1900 die Industrialisierung mit allen Problemen in vollem Gange ist. In Kallmünz treffen sie auf ein Leben, das geprägt ist von kleinen, ländlichen Strukturen. Ca. 1300 Einwohner hat der Ort. Knapp 30 Wirtshäuser und mehr als 50 Kleingewerbebetriebe beschaffen die Versorgung der Menschen. In jedem zweiten Haus gibt es Kühe oder Ziegen. Der Mist wird auf der Straße vorm Haus aufgehäuft. Das duftet doch ganz anders als die Kaminschlote der Fabriken in den Städten! Und die Kinder, die durch die Pfützen lauifen werden zu Hause wegen ihrer braunen Wadl ausgeschimpft. Hier erleben die Künstler authentisches Landleben und sind mitten drin.
Karl Walther, Brunngasse, ca. 1934, Öl auf Leinwand, 65 x 81 cm

Bisher ist der Name Karl Walther (1905 - 1981) in Kallmünz nicht oder kaum beachtet worden. Dennoch: In seinem Werkverzeichnis sind mehr als 50 Ansichten von Kallmünz aufgelistet.

Hier fängt er den Alltag in der Brunngasse ein. Das Gemälde zeigt eine idyllische Dorfszene mit alten Häusern und wenigen Figuren in pastoser, strukturreicher Malweise. Die gedämpften Farben und das weiche Licht verleihen dem Bild eine ruhige, realistische Atmosphäre.

Karl Walther war ein bedeutender deutscher Landschafts- und Städtebildmaler, dessen Werk zwischen Impressionismus und Realismus steht. Geboren 1905 in Zeitz (Sachsen-Anhalt), studierte er an der Akademie für Grafik und Buchkunst in Leipzig sowie an der Akademie der Bildenden Künste in München. Bereits in den 1930er Jahren erlangte er Anerkennung durch zahlreiche Ausstellungen in Deutschland und im Ausland. Karl Walthers bevorzugte Themen waren Flusslandschaften, Stadtansichten, Dorfmotive und die wechselnden Stimmungen der Natur. In den 1930er Jahren war Walther einige Male in Kallmünz. Nach 1945 lebte und arbeitete er in München und im Chiemgau. Seine Werke befinden sich heute in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter das Bayerische Nationalmuseum und die Städtische Galerie im Lenbachhaus.

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