14. Steinerne Brücke / Am Planl

Auf unserem Weg rechts auf dem Brückengeländer grüßen wir den heiligen Nepomuk mit den beiden Engeln. Die Inschrift auf deren Tafeln lautete einst: „St. Nepomuk auf dieser Bruck, nimm Kallmünz in deine Hut.“ Die Rundungen auf dem Geländer verweisen noch auf den alten Turm an dieser Stelle, der 1817 abgerissen wurde.
Mit Otto Zacharias werfen wir einen Blick aud das Schmidwöhr
Otto Zacharias, Blick aufs Schmidwöhr, 1949, Aquarell, ca, 35 x 50 cm

Der Regensburger Otto Zacharias (1876 - 1952) stammt aus der gleichnamigen Künstler und Fotografenfamilie. Sein Werk umfasst vor allem Landschaftsmalerei sowie Stillleben. Er hielt häufig Stadtansichten und markante Orte seiner Heimatregion fest, wie das Donauufer oder den Regensburger Dom. Und auch er kam nach Kallmünz und schuf eine stimmungsvolle, impressionistisch geprägte Darstellung des Ortes am Wasser. Warme Erd- und Rottöne der Häuser kontrastieren mit dem satten Grün der Bäume und den reflektierenden Blautönen des Flusses. Die lockere, pastose Pinselführung vermittelt Bewegung und eine ruhige, ländliche Atmosphäre.


Monogrammiert G.C., 12.10.49, Kallmünz, Aquarell, 20,5 x 28,5 cm
Fast heimelig mutet diese Ansicht an. Der Bauwagen aus dessen Kamin Rauch aufsteigt erinnert an das Gedicht von Bertolt Brecht:

Der Rauch
Das kleine Haus unter Bäumen am See.
Vom Dach steigt Rauch.
Fehlte er
Wie trostlos dann wären
Haus, Bäume und See


Die Steinerne Brücke von Kallmünz wurde von 1550 bis 1558 nach dem Vorbild der Brücke in Regensburg neu erbaut, 95 Meter lang und 5 Meter breit, ruhend auf 6 Pfeilern. Eine gewaltige Aufgabe für einen kleinen Ort wie Kallmünz. Auf beiden Seiten wurde die Brücke mit Brückentoren und Türmen bewehrt. 
Schon die Vorgängerbrücke aus Holz - über die Entstehung ist bisher nichts bekannt - wurde immer wieder durch Hochwasser und Eisstöße zerstört. Besonders gefürchtet war die sogenannte "Greinscholle". Oberhalb von Schirndorf weitet sich das Naabtal auf 500 Meter, dort bildete sich im Winter eine geschlossene Eisdecke mit bis zu 70 cm Stärke. Bei den Frühjahrshochwassern wurde sie mit verheerenden Folgen nach Kallmünz getragen und zerstörte immer wieder den Naabübergang. Schon 1398 erlaubte der Pfalzgraf Ruprecht, Herzog von Bayern, deshalb die Erhebung eines Brückenzolls.
Die Erbauer der Steinernen Brücke hatten die Gewalt des Wassers und der Eisstöße der Naab offenbar unterschätzt. Immer wieder wurde auch sie vom Hochwasser und Eisstößen zerstört. Die Reparaturen bereiteten den Kallmünzern viele Mühen und hohe Kosten. Nicht immer beteiligte sich die bayerische Regierung daran. 1890 wurde schließlich eine Metallkonstruktion gebaut, die einen größeren Durchfluss der Naab ermöglichte.

Einen schönen Blick auf Kallmünz hat man auch vom Planl aus. Rechts neben der Brücke ist ein kleiner Platz zum Verweilen, hier kann man sich niederlassen und die Aussicht auf die Brücke und den Ort genießen.


Anton Lutz, Steinerne Brücke und Rathaus, ca. 1924, Öl auf Leinwand

Unbekannt, Steinerne Brücke mit Rathaus, ca. 1925, Öl auf Leinwand 60 x 80 cm

Diese Ansicht der Steinernen Brücke und des Alten Rathauses ist der Neuen Sachlichkeit der 1920er–1930er Jahre stilistisch nahe. Es zeigt eine klare Komposition mit geometrisch vereinfachten Formen, starken Konturen und einer atmosphärischen Dichte, wie sie für Künstler dieser Zeit typisch war. Der Künstler ist unbekannt. Alexander Kanoldt war in Riedenburg; er könnte auch hier gewesen sein. Auch Konrad Felixmüller, der öfter in Regensburg war, könnte man das Bild zuschreiben.


Karl Walther, Malerisches Kallmünz, 1934, Öl auf Leinwand, 81 x 65 cm

Das Gemälde von Karl Walther zeigt die Naabbrücke und das Alte Rathaus von Kallmünz. Er zeigt die Eisenkonstruktion der Brücke, die von anderen Künstlern gerne "vertuscht" wird. Die warmen, erdigen Farbtöne und die fein abgestimmten Lichtreflexe auf dem Wasser sind typisch für Walthers Malstil. Sie vermitteln eine stimmungsvolle Ruhe und zeugen von der Verbundenheit des Künstlers mit seiner Umgebung.


Günter Schmitz, Steinerne Brücke, Aquarell, 70 x 50 cm

Günter Schmitz war als Soldat 1940 in Kallmünz, wahrscheinlich schon mit Erik Mailick. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekamen die beiden Künstler aus der DDR immer wieder die Ausreisegenehmigung und verbrachten Malferien in Kallmünz. Ihren Aufenthalt finanzierten sie über den Verkauf von Bildern, hauptsächlich mit Ansichten von Kallmünz.


Erik Mailick, Steinerne Brücke, Öl auf Leinwand, 70 x 50 cm

Gerhard Maria Prechtl, Kallmünz, Radierung, 17,5 x 24


Gerhard Maria Prechtl, Kallmünz, Aquarell, 44 x 29 cm


Gerhard Maria Prechtl (1951 - 2024) kam wie (fast) alle Maler aus Regensburg immer wieder nach Kallmünz und hat im Ort gemalt und gezeichnet.
Zu der Ausstellung zur 1000-Jahr-Feier hatte Rupert Preißl seine Malerkollegen eingeladen. Auch Prechtl war mit dabei. Dieses Bild hier hat er damals ausgestellt.

Gerhard Prechtl war Mitglied in mehreren renommierten Künstlervereinigungen, darunter der Berufsverband Bildender Künstler Niederbayern/Oberpfalz, die Regensburger Gruppe Kunst, die Künstlergilde Esslingen, die Münchner Künstlergenossenschaft und der Verein für Christliche Kunst. Seine Werke sind in öffentlichen Sammlungen vertreten, wie den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, der Universität Regensburg sowie in verschiedenen Landbauämtern in Regensburg, Cham und Amberg. Zudem schuf er Wandgemälde und Bleiglasfenster für öffentliche Einrichtungen, darunter eine Kinderklinik.

Sein Malstil zeichnete sich durch eine realistische und detailgetreue Darstellung aus, wobei er häufig alltägliche Szenen und Stillleben in seinen Werken festhielt. Prechtl legte besonderen Wert auf die Komposition und den Einsatz von Licht und Schatten, um Tiefe und Atmosphäre zu erzeugen. Seine Farbpalette war oft gedämpft, was seinen Arbeiten eine ruhige und meditative Stimmung verlieh.


Max Huber, Kallmünz 1983, Öl auf Hartfaserplatte, 60 x 40 cm

Max Huber wurde 1920 in Hauzenberg geboren und starb 1987 in Deggendorf. In dem Bild " Kallmünz“ fängt er die besondere Atmosphäre des oberpfälzischen Kleinods in einer stillen, beinahe zeitentrückten Stimmung ein. Die klare architektonische Gliederung der Gebäude verbindet sich mit einer weichen, harmonischen Farbigkeit aus warmen Rot-, Gelb- und Blautönen. Der pastose Farbauftrag und die subtile Lichtführung verleihen der Komposition eine poetische Tiefe, die zwischen Realismus und malerischer Abstraktion schwebt. Nach dem Abitur 1939 leistete Max Huber Wehrdienst und kam russische Kriegsgefangenschaft. Ab 1949 entwickelte er eine eigenständige Bildsprache, die sich durch feine Farbnuancen und eine meditative Ruhe auszeichnet. Seit 1955 war er Mitglied des BBK Niederbayern/Oberpfalz, der Münchner Künstlergenossenschaft (kgl. priv. von 1868) sowie der Deggendorfer Künstlergruppe, deren erster Vorsitzender er bis zu seinem Tod blieb.

Interessant ist ja, dass die Künstler den schiefen Rathausturm gerade darstellen.

Auf Fotos vor 1945 ist diese Konstruktion zu sehen. Sie wurde erst am Kriegsende 1945 mit der Sprengung der Brücke durch die Nationalsozialisten zerstört.


Foto: Bergverein Kallmünz e.V., 1945

Alois Knauer, der Autor der Kallmünzer Ortsgeschichte, war Bataillonsführer des Volkssturms. Er bat viermal um die Schonung der Vils- und Naabbrücke und machte sich damit als Widerständler verdächtig. Seine Bitte wurde nicht gehört. Die Schäden der Sprengung am 21. April 1945 um 3:20 Uhr waren verheerend, wie man auf dem Foto sehen kann.
Wegen der Eisenkonstrukion hatte man eine besonders starke Sprengladung angebracht. Das Rathaus war 1603 nach einem Brand neu gebaut worden. Im  Anbau davor befand sich der Treppenaufgang zum ersten Stock, im Untergeschoß der Kerker mit vergittertem Fenster.

Wir gehen weiter zur Naabnixe

 

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