17. Inselweg und Sebastiberg

Über den Inselweg gehen wir zur Mulzgasse und über den Schulweg zum Sebastiberg.
Das Fischwasser der Naab in Kallmünz gehört der Familie Brey. Im Haus an der Ecke, Inselweg 16, bekommt man immer noch die Angelscheine. Es wurde 1963 neu gebaut. Die Hochwassermarke von 1909 war das Maß für die Höhe der Bodenplatte.

Ein begeisterter Angler war Erik Mailick, hier auf dem Foto mit einem Fang von 2,08 Metern im Jahr 1943 am Eingang des alten Brey-Hauses.
Foto: Bergverein Kallmünz e.V., Erik Mailick mit einem Waller, 1939

Der in der DDR bekannte Tiermaler Mailick soll auch mit Erich Honecker auf die Jagd gegangen sein. Er war schon als Soldat im Zweiten Weltkrieg in Kallmünz und bekam als anerkannter Maler die Ausreiseerlaubnis aus der DDR. Mit seinem Freund Günter Schmitz war er regelmäßig hier. Er malte viele Bilder von Kallmünz, die er gut verkaufen konnte. Damit finanzierte er Aufenthalt "im Westen" und sein Hobby, das Angeln (natürlich am liebsten vor der Kulisse des Schlossberges).


Erik Mailick, Angeln an der Naab, Öl auf Malerplatte,80 x 40 cm

Vom Graben werfen wir einen Blick zurück auf das neue Kultur- und Vereinsheim. Danze Panele hat Kleinod, das vorher an der Stelle stand, noch vor dem Abriss noch festgehalten: "Kallmünz bei Nacht" bezeichnete er augenzwinkernd doppeldeutig das Bild.


Danze Panele, Kallmünz bei Nacht, Acryl auf Fenster, 74 x 34,5 cm


Über die Mulzgasse spazieren wir nach Osten auf den Sebastiberg, den die Kallmünzer auch Auberg nennen.
Die Johann-Baptist-Laßleben Schule, an der wir vorbeikommen, wurde 1963 neu gebaut.
Die Linden, die den wunderbaren Treppenaufgang beschatten, hatten die Eremiten bereits 1853 gepflanzt, als sie den Leidensweg Christi zum Nachvollziehen anlegten.


Hanns Neudecker, "Kreuzweg b. Kallmünz", ca. 1950, Aquarell, 29 x 39 cm

Der Maler Hanns Neudecker (1906 - 1973) kam wie viele Maler aus Regensburg immer wieder nach Kallmünz. Gerade Künstler haben ein Faible für diesen schönen Ausflugsort. Das Fahrrad war das Verkehrsmittel der Nachkriegszeit. Er malt Anfang 1950 den Kreuzweg im Vordergrund mit Blick Kallmünz.

1713 wütete zum letzten Mal in unserer Gegend die Pest. Von Regensburg aus kam sie bis Burglengenfeld und Hochdorf. Dort starben fast dreiviertel der Einwohner. In großer Angst versprachen die Kallmünzer eine Kapelle zu Ehren der Pestheiligen Sebastian und Rochus zu bauen, wenn sie von der Pest verschont blieben. Man sperrte über Monate den Ort ab, niemand durfte aus Kallmünz heraus oder hinein - und tatsächlich, der „strikte Lockdown“ tat seine Wirkung, Kallmünz wurde von der tödlichen Seuche verschont.
Die Kapelle wurde noch im gleichen Jahr gebaut; 1762 wurde sie dann erweitert. In dieser Zeit entwickelte sich das Kirchlein dank der Geschäftstüchtigkeit des Eremiten Andreas Karl zu einer beliebten Wallfahrtsstätte in der auch weitere Heilige verehrt wurden. Er führte neue Kulte ein und man konnte gegen etwas Entgelt einen Ablass gewinnen. Damit verhalf der fromme Mann sich und „seinem“ Kirchlein zu guten Einnahmen.

1911 weilte Albert Reich mit seiner Malschule in Kallmünz, als die Nachricht vom Tod von Charles Palmié eintraf. Der Entdecker von Kallmünz als Malerort war unerwartet an einem Herzinfarkt gestorben.
Zur Erinnerung an den Entdecker und Namensgeber der "Perle des Naabtals" errichtete der Bergverein eine Bank und die Künstler befestigten an der Linde auf der Nordseite der Kapelle eine Gedenktafel. "Die in stimmungsvoller Landschaft gehaltene Gedächtnisfeier war ein schöner Beweis, wie innig hier die Beziehungen zwischen Künstler und Bürgerschaft sind", berichteten die Münchner neuesten Nachrichte am 21. August 1911.
Die Bank wurde später an einen sonnigeren Platz versetzt. Unter der Linde lässt es sich gut verweilen und die Aussicht genießen.

Foto: Bergverein Kallmünz e.V., Hinweistafel der Malschule Reich

Wir gehen zurück über den Graben und können beim "Bürstenbinder" eine Pause einlegen bevor wir weitergehen zum Zengerbrückerl.


 

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